Kurs
Lars Weigand in Goldesel Akademie
04.05.2026 22:52

Börse einfach erklärt: Wie der Aktienmarkt wirklich funktioniert
Du willst die Börse einfach erklärt bekommen, ohne dich durch komplizierte Fachbegriffe oder trockene Theorie kämpfen zu müssen? Genau hier setzt dieser erste Artikel der Goldesel Akademie an. Mit einer einfachen Wochenmarkt-Analogie zeigen wir dir, wie der Aktienmarkt wirklich funktioniert, wie Kurse entstehen und wer an der Börse eigentlich mitmischt.
Mit der Goldesel Akademie bekommst du einen strukturierten Einstieg in die Welt des Investierens und Tradings – komplett kostenlos und direkt aus der Praxis. In den kommenden Wochen und Monaten begleiten wir dich Schritt für Schritt vom Anfänger hin zu einem Anleger, der versteht, was er tut und warum er es tut.
Wichtig ist uns dabei von Anfang an Ehrlichkeit: An der Börse gibt es keinen schnellen Reichtum. Das Handwerk ist komplex und Fehler lassen sich gerade zu Beginn nicht komplett vermeiden. Unser Ziel ist es, dir genau dieses Lehrgeld so weit wie möglich zu ersparen und dir das notwendige Wissen an die Hand zu geben, um bessere Entscheidungen zu treffen.
In diesem ersten Artikel starten wir mit den Grundlagen und erklären dir anhand eines einfachen, alltagsnahen Beispiels, wie der Aktienmarkt überhaupt funktioniert. In den folgenden Artikeln gehen wir dann Schritt für Schritt tiefer – von den Basics rund um Aktien und Ordertypen bis hin zu konkreten Strategien wie Chartanalyse, Newstrading oder langfristigem Investieren in Qualitätsaktien.
Dieses Thema gibt’s auch als Video – schau es dir an, wenn du es lieber erklärt bekommst statt zu lesen.
Was ist die Börse? Aktienmarkt verstehen leicht gemacht
Stell dir einen Wochenmarkt vor. Da stehen Verkäufer mit ihren Ständen, Käufer laufen durch die Reihen, und die Preise richten sich danach, wie viele Leute gerade Tomaten haben wollen — und wie viele Tomaten da sind.
Die Börse funktioniert genauso. Nur dass die Ware keine Tomaten sind, sondern Aktien, Anleihen und andere Wertpapiere. Und statt auf einem Platz zu stehen, passiert alles digital – über den Computer oder am Handy, in Millisekunden.
Eine Börse ist also ein organisierter Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer zusammenkommen.
Das war’s. Keine Magie, kein Hexenwerk. Die Börse erfindet keine Preise und trifft keine Entscheidungen. Sie stellt nur die Infrastruktur bereit – den Marktplatz eben.
Die Wochenmarkt-Analogie: Börse verstehen in 2 Minuten
Weil die Analogie so gut funktioniert, lass uns sie etwas vertiefen:
| Wochenmarkt | Börse | |
| Ware | Obst, Gemüse, Käse | Aktien, Anleihen, ETFs |
| Ort | Marktplatz in der Stadt | Digital (Server in Rechenzentren) |
| Preisfindung | Angebot & Nachfrage | Angebot & Nachfrage |
| Handelszeiten | Morgens, ein paar Stunden | Feste Zeiten, z. B. 9:00–17:30 |
| Aufsicht | Ordnungsamt | BaFin / Börsenaufsicht |
| Zugang | Jeder kann hin | Über einen Broker |
Der große Unterschied: Auf dem Wochenmarkt stehst du vor dem Stand und verhandelst. An der Börse gibst du deinem Broker den Auftrag, und der regelt das für dich. Aber das Prinzip dahinter? Identisch.
Wie entsteht ein Aktienkurs? Angebot und Nachfrage erklärt
Die Frage, die sich jeder Anfänger stellt ist: Warum kostet eine Apple-Aktie gerade 230 EUR und nicht 200 oder 300?
Die Antwort: Weil sich Käufer und Verkäufer auf genau diesen Preis geeinigt haben. In Echtzeit.
So funktioniert das Orderbuch
Stell dir eine unsichtbare Liste vor – sie wird Orderbuch genannt. Auf der einen Seite stehen alle Kaufaufträge, auf der anderen alle Verkaufsaufträge. Jeder mit einem Preis.
Beispiel:
| Käufer (Bid) | Verkäufer (Ask) |
| Max will kaufen für max. 230 € | Anna will verkaufen für mind. 230 € |
| Lisa will kaufen für max. 229 € | Jan will verkaufen für mind. 231 € |
| Tom will kaufen für max. 228 € |
Max bietet 230 EUR, Anna will mindestens 230 EUR – die beiden matchen. Deal. Der aktuelle Kurs ist jetzt 230 EUR.
So einfach ist das. Der Kurs ist nichts anderes als der Preis, zu dem zuletzt ein Handel stattgefunden hat.
Warum bewegen sich Kurse?
Der Kurs steigt, wenn es mehr Käufer als Verkäufer für eine Aktie am Markt gibt.
Stell dir vor, Apple meldet Rekordgewinne. Plötzlich wollen alle die Aktie haben. Aber die Verkäufer denken sich: Wenn alle kaufen wollen, warum sollte ich für 230 verkaufen? Sie erhöhen ihren Preis: 232, 235, 240. Der Kurs steigt.
Der Kurs fällt, wenn es mehr Verkäufer als Käufer für eine Aktie am Markt gibt.
Jetzt ist das Spiel anders herum: Apple meldet eine Gewinnwarnung. Alle wollen raus. Die Verkäufer unterbieten sich gegenseitig: 228, 225, 220. Der Kurs fällt.
Wenn du noch tiefer in die Mechanik hinter Angebot, Nachfrage und Kursbildung einsteigen willst, schau dir unseren ausführlichen Artikel Wie funktioniert die Börse? Angebot, Nachfrage und Kurse einfach erklärt an. Dort gehen wir Schritt für Schritt durch das Orderbuch und die Preisfindung.
Wer handelt an der Börse? Die 4 wichtigsten Teilnehmer
An der Börse tummeln sich verschiedene Gruppen. Hier die vier wichtigsten:
1. Privatanleger – also du und ich
Jeder, der ein Depot hat und über einen Broker Aktien kauft. Früher musste man dafür zur Bank gehen und hohe Gebühren zahlen. Heute reicht ein Smartphone und eine App – in 10 Minuten ist das Depot eröffnet.
Privatanleger machen von der Menge her einen kleinen Teil des Handelsvolumens aus. Aber es werden jedes Jahr mehr.
Wenn du es nicht abwarten kannst, dann schau gerne schon mal in unseren Depotvergleich. Wir erklären aber in einem der nächsten Beiträge nochmal, worauf es bei der Brokerwahl zu achten gilt und welcher Anbieter zu dir passt.
2. Institutionelle Anleger
Das sind die großen Player: Fondsgesellschaften, Versicherungen, Pensionskassen, Hedgefonds. Die handeln mit Millionen- und Milliardenbeträgen.
Wenn ein großer Fonds beschließt, eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen, bewegt das den Kurs deutlich stärker, als wenn du oder ich 500 Euro investieren. Deshalb beobachten viele Trader, was die Großen machen.
3. Market Maker
Market Maker sorgen dafür, dass der Handel flüssig läuft. Sie stellen permanent Kauf- und Verkaufskurse. Ohne sie müsstest du manchmal Minuten oder sogar Stunden warten, bis jemand deine Aktie kaufen oder dir eine verkaufen will.
Market Maker verdienen am sogenannten Spread — der kleinen Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
4. Broker
Dein Zugang zur Börse. Du gibst dem Broker den Auftrag: Kauf mir 10 Apple-Aktien. Er leitet das an die Börse weiter und wickelt den Handel ab.
Wichtig: Du handelst nie direkt an der Börse. Du brauchst immer einen Broker als Mittelsmann. Im nächsten Schritt zeigen wir dir, wie du den richtigen findest.
Bevor du dich um den richtigen Broker kümmerst, lohnt sich ein Blick auf das eigentliche Produkt: Was eine Aktie überhaupt ist, welche Rechte du als Aktionär hast und wo die Risiken liegen, erklären wir im Artikel Was ist eine Aktie? Eigentumsanteile, Rechte und Risiken erklärt.
So läuft ein Aktienkauf ab – in 4 Schritten
Damit du siehst, wie das Ganze zusammenspielt, hier der typische Ablauf:
| Schritt | Wer | Was passiert |
| 1 | Du | Du öffnest die App und tippst: Kaufe 10 Apple-Aktien. |
| 2 | Broker | Prüft den Auftrag und leitet ihn an die Börse weiter. |
| 3 | Börse | Findet im Orderbuch einen passenden Verkäufer. |
| 4 | Abwicklung | Du bekommst die Aktien, der Verkäufer bekommt dein Geld. |
Das alles passiert in Sekunden. Oft sogar in Bruchteilen einer Sekunde.
Was in Schritt 1 aber entscheidend ist: zu welchem Preis du eigentlich kaufst. Eine reine Market Order kann dich bei volatilen Aktien teurer kommen, als du denkst. Warum du als Anfänger fast immer eine Limit Order setzen solltest, zeigen wir im Artikel Ordertypen erklärt: Warum du beim Kauf und Verkauf immer eine Limit Order nutzen solltest.
Welche Börsen gibt es in Deutschland?
Du musst nicht alle kennen – aber die wichtigsten solltest du einordnen können:
| Börse | Handelszeit | Besonders geeignet für |
| XETRA | 9:00 – 17:30 | Größte deutsche Börse. Profis und institutionelle Anleger. Höchstes Volumen, dadurch engste Spreads (kleinste Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs). |
| Tradegate | 8:00 – 22:00 | Sehr beliebt bei Privatanlegern. Längere Handelszeiten. Viele Neobroker nutzen Tradegate. |
| Stuttgart | 8:00 – 22:00 | Stark bei Derivaten und Hebelprodukten. |
| NYSE / Nasdaq | 15:30 – 22:00 (MEZ) | Größte Börsen der Welt. US-Aktien wie Apple, Tesla, Amazon. |
FAQ – die wichtigsten Fragen zur Börse
Die Börse ist ein organisierter Marktplatz, auf dem Käufer und Verkäufer von Wertpapieren wie Aktien, Anleihen oder ETFs digital zusammenkommen. Die Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage. Die Börse selbst stellt nur die Infrastruktur, sie macht keine Preise.
Der Aktienmarkt funktioniert über Orderbücher. Jeder, der eine Aktie kaufen will, gibt einen Preis an, zu dem er kaufen würde. Jeder Verkäufer nennt seinen Mindestpreis. Sobald sich Kauf- und Verkaufspreis treffen, kommt es zum Handel — und genau dieser letzte Preis ist dann der aktuelle Kurs.
Eine harte Untergrenze gibt es nicht. Mit einem ETF-Sparplan kannst du bei vielen Neobrokern schon ab einem Euro pro Monat starten. Für Einzelaktien sind 100 bis 500 Euro ein realistischer Einstieg, damit die Ordergebühren im Verhältnis nicht zu groß werden. Wichtiger als die Summe ist, dass du nur Geld investierst, das du in den nächsten Jahren nicht brauchst.
Aktienkurse steigen, wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt, und fallen, wenn es mehr Verkäufer als Käufer gibt. Das Prinzip ist Angebot und Nachfrage — wie auf jedem Markt. Hinter den Kaufentscheidungen stehen Erwartungen an die Zukunft eines Unternehmens.
In der Goldesel Akademie auf goldesel.de findest du einen kostenlosen Einsteiger-Kurs, der dich Schritt für Schritt vom ersten Verständnis bis zum ersten Trade führt. Alle Artikel sind frei zugänglich, du brauchst keinen Account.
Für Privatanleger sind vor allem zwei Handelsplätze relevant: XETRA (9:00 bis 17:30 Uhr, größtes Volumen, engste Spreads) und Tradegate (8:00 bis 22:00 Uhr, längere Handelszeiten, von vielen Neobrokern genutzt). Daneben gibt es Regionalbörsen wie Stuttgart oder Frankfurt.
Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen
✅ Die Börse ist ein Marktplatz, der Käufer und Verkäufer von Wertpapieren digital zusammenbringt. Mehr passiert dort nicht.
✅ Kurse entstehen durch Angebot und Nachfrage. Mehr Käufer als Verkäufer treibt den Kurs hoch, mehr Verkäufer als Käufer drückt ihn nach unten.
✅ Das Orderbuch ist die unsichtbare Liste, in der Kauf- und Verkaufsaufträge zusammengeführt werden. Der aktuelle Kurs ist immer der letzte gematchte Preis.
✅ Direkt an der Börse handelst du nie. Du brauchst einen Broker, der deinen Auftrag weiterleitet und abwickelt.
✅ In Deutschland sind XETRA und Tradegate die wichtigsten Handelsplätze für Privatanleger. Für US-Aktien laufen die Kurse über NYSE und Nasdaq.
✅ Die Wochenmarkt-Analogie reicht für den Anfang vollkommen aus, um zu verstehen, wie der Aktienmarkt funktioniert.

