Kurs
Matthias v.M. in Goldesel Akademie
30.06.2026 12:32

Was ist ein gutes KGV? Kurs-Gewinn-Verhältnis in der Praxis
Ein KGV von 10 wirkt günstig, ein KGV von 40 dagegen teuer. Ganz so einfach lässt sich das KGV einer Aktie allerdings nicht bewerten. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis kann auf eine Kaufchance hinweisen – oder auf sinkende Gewinne und große Risiken. Gleichzeitig kann ein hohes KGV gerechtfertigt sein, wenn ein Unternehmen besonders stark wächst.
Deshalb gibt es kein KGV, das grundsätzlich gut oder schlecht ist. Entscheidend sind Branche, Gewinnwachstum, Unternehmensqualität und der Vergleich mit der eigenen Vergangenheit.
Das Wichtigste in Kürze
- Das KGV setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie.
- Ein niedriges KGV bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie günstig ist.
- Wachstumsunternehmen besitzen häufig höhere KGVs als reife oder zyklische Unternehmen.
- Besonders sinnvoll ist der Vergleich mit Wettbewerbern und dem historischen KGV.
- Das erwartete KGV basiert auf Prognosen und kann sich schnell verändern.
- Bei Verlusten oder stark schwankenden Gewinnen ist das KGV nur eingeschränkt nutzbar.
Was ist ein gutes KGV?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Dennoch kann eine grobe Einordnung beim ersten Überblick helfen:
| KGV | Mögliche Einordnung |
|---|---|
| unter 10 | niedrige Bewertung, möglicherweise aber hohe Risiken oder sinkende Gewinne |
| 10 bis 20 | bei vielen etablierten Unternehmen ein moderater Bereich |
| 20 bis 30 | häufig höhere Wachstums- und Qualitätserwartungen |
| über 30 | hohe Erwartungen, die das Unternehmen erst erfüllen muss |
Diese Bereiche sind keine Kauf- oder Verkaufsregeln. Ein KGV von 8 kann teuer sein, wenn der Gewinn kurz vor einem Einbruch steht. Dagegen kann ein KGV von 30 vertretbar sein, wenn die Gewinne über Jahre deutlich wachsen.
Ein vernünftiges KGV ist nicht möglichst niedrig. Es muss zur Qualität und zur erwarteten Entwicklung des Unternehmens passen.
Warum haben Branchen unterschiedliche KGVs?
Geschäftsmodelle unterscheiden sich bei Wachstum, Schwankungen, Kapitalbedarf und Risiken, weshalb Branchen unterschiedliche typische Bewertungen aufweisen. Banken, Autohersteller oder Rohstoffunternehmen werden oft niedriger bewertet, da ihre Gewinne stärker von Konjunktur, Zinsen oder Rohstoffpreisen abhängen.
Softwareunternehmen erreichen dagegen häufig höhere KGVs, weil ihre Umsätze teilweise wiederkehren und zusätzliche Kunden nur geringe Kosten verursachen. Für einen sinnvollen KGV-Branchenvergleich sollten Unternehmen ein ähnliches Geschäftsmodell, vergleichbare Märkte, ähnliches Wachstum und eine ähnliche Profitabilität aufweisen.
KGV und Wachstum gehören zusammen
Drei Unternehmen können völlig unterschiedliche KGVs besitzen:
| Unternehmen | KGV | Erwartetes Gewinnwachstum | Erste Einordnung |
|---|---|---|---|
| Unternehmen A | 10 | −5 % | niedrige Bewertung, Gewinne sinken jedoch |
| Unternehmen B | 20 | 10 % | moderate Bewertung und solides Wachstum |
| Unternehmen C | 35 | 25 % | hohe Bewertung, aber starkes Wachstum |
Allein anhand des KGVs wäre Unternehmen A am günstigsten. Wegen der sinkenden Gewinne könnte es trotzdem das riskanteste Investment sein.
Bei Unternehmen C zahlt der Markt bereits einen hohen Preis für zukünftiges Wachstum. Verfehlt das Unternehmen die Erwartungen, kann der Aktienkurs deshalb besonders stark reagieren.
Die entscheidende Frage: Wie stark müssen die Gewinne wachsen, damit das heutige KGV gerechtfertigt ist?
Historisches und erwartetes KGV
- Historisches KGV: basiert auf den Gewinnen der vergangenen zwölf Monate oder des letzten Geschäftsjahres. Die Zahlen sind bekannt, können aber bereits veraltet sein, wenn sich das Geschäft verändert hat.
- Erwartetes KGV: nutzt Gewinnschätzungen für das laufende oder kommende Geschäftsjahr. Es berücksichtigt die erwartete Entwicklung, basiert jedoch auf Prognosen, die sich jederzeit ändern können.
Das aktuelle KGV mit der Vergangenheit vergleichen
Neben dem Branchenvergleich ist die eigene Bewertungshistorie hilfreich.
Wurde ein Unternehmen meistens mit einem KGV zwischen 20 und 25 gehandelt, kann ein Wert von 16 zunächst günstig wirken. Allerdings solltest du prüfen, warum der Markt heute weniger bezahlt.
Mögliche Gründe sind:
- langsameres Wachstum,
- sinkende Margen,
- stärkere Konkurrenz,
- höhere Zinsen,
- regulatorische Risiken,
- oder ein schwächeres Geschäftsmodell.
Eine niedrigere Bewertung ist daher vor allem dann interessant, wenn die Unternehmensqualität weitgehend erhalten bleibt.
Widget: key-figures
Auf den Goldesel-Aktienseiten findest du Bewertungskennzahlen sowie Umsatz- und Gewinnerwartungen übersichtlich an einem Ort. Dadurch kannst du das aktuelle KGV schneller mit der Geschäftsentwicklung verbinden.
Wann ist das KGV wenig aussagekräftig?
In einigen Situationen solltest du eine andere Kennzahl verwenden. Das gilt besonders, wenn:
- das Unternehmen Verluste schreibt,
- die Gewinne stark schwanken,
- Sondereffekte das Ergebnis verzerren,
- das Unternehmen am Höhepunkt eines Konjunkturzyklus steht,
- oder hohe Schulden im KGV kaum sichtbar werden.
Bei unprofitablen Wachstumsunternehmen kann das KUV eine erste Orientierung bieten. Bei Banken spielt dagegen häufig das KBV eine größere Rolle. Zusätzlich können Cashflow-Kennzahlen das KGV sinnvoll ergänzen.
Drei Schritte für die KGV-Bewertung
Bevor du aus einem KGV eine Schlussfolgerung ziehst, prüfe:
- Branche: Wie sind vergleichbare Unternehmen bewertet?
- Historie: Wie hoch war das KGV in der Vergangenheit?
- Zukunft: Wie stark und zuverlässig sollen die Gewinne wachsen?
Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen
✅ Das KGV zeigt, wie viel Anleger für einen Euro Unternehmensgewinn bezahlen.
✅ Ein niedriges KGV ist nicht automatisch günstig, denn es kann sinkende Gewinne oder hohe Risiken widerspiegeln.
✅ Wachstumsstarke Unternehmen besitzen häufig höhere KGVs als reife oder zyklische Firmen.
✅ Vergleiche KGV Aktien nur mit Unternehmen aus ähnlichen Branchen und mit vergleichbaren Geschäftsmodellen.
✅ Das historische KGV basiert auf vergangenen Gewinnen, während das erwartete KGV Prognosen verwendet.
✅ Besonders aussagekräftig wird das KGV durch den Vergleich mit Branche, Historie und Gewinnwachstum.
Häufige Fragen
Was ist ein gutes KGV bei Aktien?
Ein gutes KGV passt zum Wachstum, zur Profitabilität, zur Branche und zu den Risiken des Unternehmens. Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht.
Ist ein KGV von 10 günstig?
Möglicherweise. Allerdings kann ein niedriges KGV auch auf sinkende Gewinne, konjunkturelle Risiken oder strukturelle Probleme hinweisen.
Ist ein KGV von 30 zu hoch?
Nicht zwangsläufig. Bei einem stark wachsenden Unternehmen kann ein höheres KGV gerechtfertigt sein. Dafür müssen die Gewinne die Erwartungen jedoch erfüllen.
Welches KGV ist besser: historisch oder erwartet?
Beide Varianten liefern unterschiedliche Informationen. Das historische KGV basiert auf bekannten Zahlen, während das erwartete KGV die zukünftige Entwicklung berücksichtigt.
Warum gibt es bei Verlusten kein sinnvolles KGV?
Bei einem negativen Gewinn entsteht rechnerisch ein negatives KGV. Dieses lässt sich jedoch nicht sinnvoll zur Aktienbewertung verwenden.
