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Florian Behlau in Marktüberblick

05.06.2024 10:51

Blogartikelbild Steht dieser deutsche Nebenwert vor einem Turnaround?

Steht dieser deutsche Nebenwert vor einem Turnaround?

Die Grenke AG, ein etablierter Akteur im Bereich Finanzierung und Leasing, hat sich in den vergangenen Jahren als unverzichtbarer Partner für den Mittelstand etabliert. Mit Hauptsitz in Baden-Baden bietet das Unternehmen eine umfassende Palette an maßgeschneiderten Produkten und Dienstleistungen an, die speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) ausgerichtet sind.

Dazu gehören insbesondere das Leasing von IT-Ausrüstung, Bürogeräten und Maschinen sowie flexible Finanzierungslösungen wie Mietkauf und langfristige Mietverträge.

Aktienverlinkung: DE000A161N30

Strategische Neuausrichtung: Verkauf der Factoring-Sparte

Vor kurzem hat Grenke eine bedeutende strategische Entscheidung getroffen, die die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens prägen wird: Durch den Verkauf ihrer Factoring-Sparte möchte sich Grenke verstärkt auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Dieser Schritt ermöglicht es dem Unternehmen, seine Ressourcen effizienter zu nutzen und die Marktführerschaft im Leasing- und Finanzierungsgeschäft weiter auszubauen.

Die Entscheidung, das Factoring-Geschäft abzugeben, ist Teil einer größeren Strategie, die darauf abzielt, die Expertise in den Hauptgeschäftsfeldern zu vertiefen und gleichzeitig die Servicequalität für die Kunden weiter zu steigern. Diese Neuausrichtung unterstreicht das Engagement von Grenke, als verlässlicher Partner für KMU innovative und flexible Finanzlösungen anzubieten.

Ein Blick in die Zukunft

Mit dieser fokussierten Strategie ist die Grenke AG gut positioniert, um auf die sich verändernden Bedürfnisse des Marktes zu reagieren und weiterhin maßgeblich zur Finanzierung des Mittelstands beizutragen. Die Konzentration auf das Kerngeschäft eröffnet neue Chancen und stärkt die Position des Unternehmens als führender Anbieter von Leasing- und Finanzierungslösungen.

Anzahl der Unternehmen in Deutschland nach Unternehmensgröße
Quelle: statista
Umsatz der Unternehmen in Deutschland nach Unternehmensgröße
Quelle: statista

Auch wenn über 99 % aller deutschen Unternehmen kleine und mittlere Unternehmen sind, wird knapp 71 % des gesamten Umsatzes aller deutschen Unternehmen in Großunternehmen erzielt. Der Umsatz wird hauptsächlich von großen Konzernen generiert wird, doch Grenke hat eine extrem breite Kundenbasis, welche auf die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens angewiesen ist.

Fundamentalanalyse

Stammdaten

Marktkapitalisierung971,76 Mio. EUR
Dividendenrendite2,25 %
KGV10,21
HauptsitzBaden-Baden
Gründungsjahr1978
Angestellte2.068

Leistungskennzahlen

Leistungskennzahlen (Umsatz und Nettogewinn) von Grenke
Umsatz und Nettogewinn von Grenke seit 2017 | Quele: TradingView | eigene Darstellung

Bis 2020 konnte Grenke ein sehr starkes Umsatz- und Gewinnwachstum aufweisen. Doch aufgrund des Vorwurfes des Betrugs und der Bilanzfälschung im September 2020 verloren viele Kunden das Vertrauen in das Unternehmen und die Neukundengewinnung schwächelte. Zusätzlich belastete die Corona-Pandemie das Unternehmen und seine Kunden.

Dennoch könnte Grenke wieder auf den Wachstumspfad zurückfinden. Eine Untersuchung von KPMG ergab bereits Ende 2020, dass die Vorwürfe unbegründet waren und für die Einlagen Bestätigungen der Bankhäuser vorliegen. Das Unternehmen investiert seitdem auch mehr in die eigene Transparenz, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Für 2024 peilt das Unternehmen einen Nettogewinn zwischen 95 und 110 Millionen EUR an (2023: 83,25 Mio. EUR) und plant, das Leasing Neugeschäft auf 3 bis 3,2 Milliarden EUR zu steigern (2023: 2,58 Mrd. EUR).

Solvenzkennzahlen

Solvenzkennzahlen (Schulden, Eigenkapital und Debt to Equity ratio)
Eigenkapital und Verschuldung im Verhältnis | Quelle: Grenke IR | eigene Darstellung

Grenke ist im Branchenvergleich ziemlich hoch verschuldet. Der Konzern versuchte die Schuldenlast bis 2022 zu reduzieren, allerdings erforderten Investitionen in das Leasinggeschäft und allgemein in die Digitalisierung und das Wachstum des Unternehmens die Aufnahme frischen Kapitals. Allerdings zahlt das Unternehmen lediglich 2,39 % Zinsen auf die ausstehenden Verbindlichkeiten, was für ein gutes Schuldenmanagement spricht.

Risiken

Trotz der vielversprechenden Neuausrichtung auf das Kerngeschäft sieht sich die Grenke AG verschiedenen Herausforderungen gegenüber. Wirtschaftliche Abschwünge könnten die Nachfrage nach Leasing- und Finanzierungslösungen erheblich dämpfen. Zudem besteht immer das Risiko von Zahlungsausfällen bei Kunden, was die Liquidität und Finanzstabilität des Unternehmens beeinträchtigen könnte. Die zunehmende Konkurrenz und die ständig sich ändernden regulatorischen Anforderungen im Finanzsektor stellen ebenfalls bedeutende Unsicherheiten dar. Darüber hinaus muss Grenke mit den rasanten technologischen Entwicklungen Schritt halten und sich gegen Cyber-Sicherheitsbedrohungen wappnen, um die operativen Abläufe und das Vertrauen der Kunden zu sichern.

Chart

Ultra Langfristiger Chart der Grenke AG mit Unterstützungen und Widerständen
Ultralangfristiger Chart | Quelle: stock3
Mittelfristiger Chart der Grenke AG
Mittelfristiger Chart | Quelle: stock3

Nach Bekanntwerden der Gerüchte um Bilanzfälschung verlor die Aktie von Grenke innerhalb von nur zwei Tagen über 52 % an Wert. Aktuell befindet sich das Wertpapier ca. 80 % unter seinem Allzeithoch und gerade einen Boden in einer starken Unterstützungszone aus.

Bei einem Retest der steigenden Trendlinie bei ca. 20 EUR würde sich ein Einstieg anbieten. Eine alternative Einstiegsmöglichkeit wäre ein Anstieg über die letzten Hochs bei knapp über 25 EUR. In beiden Fällen sollte aber auf jeden Fall das Tief bei 18 EUR halten.

Ein Bruch dieses Tiefs könnte starken Verkaufsdruck erzeugen. Bei diesen bullishen Szenarien wären die nächsten Kursziele zunächst die Widerstände bei ca. 32 EUR und um 45 EUR.

Wenn du dieses Szenario handeln möchtest, bietet sich ein Mini-Future der DZ-Bank (WKN: DFT395) an. Die Knock-Out-Schwelle des Derivats liegt bei 13,45 EUR, was einen Hebel von 2,49x impliziert.

Für risikofreudigere Trader bietet sich ein Derivat mit höherem Hebel an. Das Knock-Out-Zertifikat der HSBC (WKN: TT50TK) hat eine Knock-Out-Schwelle bei 17,72 EUR, was in einem Hebel von 5,38x resultiert. Die K.o.-Schwelle ist hier auch gleichzeitig der Stop-Loss, weshalb bei diesem Derivat sehr gutes Money-Management erforderlich ist.

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Fazit

Die Grenke AG hat sich als unverzichtbarer Partner für kleine und mittelständische Unternehmen etabliert und bietet maßgeschneiderte Leasing- und Finanzierungslösungen an. Trotz der Herausforderungen, die durch Vorwürfe der Bilanzfälschung und die Corona-Pandemie entstanden sind, zeigt das Unternehmen eine starke Neuausrichtung: Der Verkauf der Factoring-Sparte erlaubt es Grenke, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und die Marktführerschaft weiter auszubauen.

Durch die verstärkte Investition in Transparenz und Digitalisierung sowie eine solide Schuldenstrategie positioniert sich Grenke gut für zukünftiges Wachstum. Potenzielle Risiken bestehen dennoch in wirtschaftlichen Abschwüngen, regulatorischen Änderungen und technologischen Entwicklungen. Insgesamt bleibt Grenke ein bedeutender Akteur im Bereich Finanzierung und Leasing für KMU.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Der Autor ist im besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.

Transparenzhinweis: Die im Artikel vorgestellten Derivate werden durch die Redaktion ausgesucht. Wir arbeiten aber mit ausgewählten Emittenten zusammen, die mit der Goldesel Trading & Investing GmbH in einer Geschäftsbeziehung stehen. Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

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