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Michael Flender in Wissen

08.12.2022 11:02

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Shortselling in der Praxis mit KO-Scheinen

Hallo liebe Goldesel -Community,
das Jahr 2022 war geprägt von vielen Abwärtstrends und einem heftigen Bärenmarkt. Shortseller haben teilweise große Gewinne eingetütet, auch wenn es hier nicht so einfach war, wie man denkt – Stichwort: Bärenmarktrallys.
Als Trader ist es aber wichtig, zumindest zu wissen, wie man Shortideen umsetzt. Denn schenkt man den großen US-Banken glauben, wird das erste Halbjahr 2023 sehr ruppig. Absicherungen oder Shorts können das eigene Depot bei gutem Timing vor größerem Schaden bewahren.

Was genau heißt “Short gehen”

Beim Shortselling gibt es verschiedene Möglichkeiten, um von fallenden Kursen zu profitieren:

  • Direkter Leerverkauf der Aktie – man leiht sich beim Broker gegen eine Gebühr Aktien und verkauft diese am Markt, um sie später günstiger wieder zurückzukaufen. Man verkauft also für eine gewisse Zeit Aktien, die man nicht hat, zahlt dafür eine Gebühr und kauft sie später am Markt zurück. Gewinn macht man, wenn der Rückkaufkurs tiefer ist als der Verkauf zuvor. In der Praxis läuft diese Leihe meist automatisiert über den Broker. Bei Interactivebrokers z.B. sieht man immer, wie viele Aktien für das Shortselling verfügbar sind. Andere Investoren (oft sind das auch Vermögensverwalter wie Black Rock) bieten diese an und bekommen dafür eine Leihgebühr.
  • Leerverkauf mittels Derivaten – Die meisten Broker, die von Privatanlegern genutzt werden, bieten direktes Shortselling nicht an. Dazu gehören Neobroker wie Trade Republic, Scalable aber auch Onlinebroker wie Comdirect und Flatex. Hier muss man den Umweg über ein Derivat gehen. In der Praxis findet dies mittels Turbo-KO Scheinen statt.

Im folgenden Video zeige ich euch, wie ich meine Scheine in der Praxis auf stock3 heraussuche und gehe auf Gefahren und Fallstricke ein:

Turbo-KO Scheine in der Praxis finden

Nachteile eines Turbo-KO Scheins

Turbo-KO Scheine haben natürlich auch einige Nachteile gegenüber direkten Leerverkäufen. Dazu gehören:

  • Teils höhere Spreads, vor allem vor- und nachbörslich. Deshalb immer prüfen, wie groß dieser Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) ist. Bei liquiden Aktien sollte er bei 1 % oder tiefer liegen.
  • Keine Kurse bei hoher Volatilität. Zum Beispiel, wenn der Gesamtmarkt sich stark bewegt oder die Aktie als Basiswert nach zahlen stark steigt oder fällt, stellt der Emittent oft mehrere Minuten keine Kurse. Bei der Aktie direkt könnte man hier agieren, im Derivat ist man dann erstmal “handlungsunfähig”.
  • Der Hebel ist nicht kostenlos, die Finanzierungskosten merkt man vor allem, wenn man Scheine Wochen oder Monate hält. Es wird aber nichts vom Depot abgebucht, die Scheine werden jeden Tag ein klein wenig um die Finanzierungskosten angepasst.
  • Wird der KO getroffen, ist der Schein wertlos und wird zu 0,01 Cent verkauft. Totalverluste sind in der Praxis schnell möglich, deshalb immer genau überlegen, wie viel man bereit ist zu verlieren.

Neben dem Hebel, der es einem erlaubt, mit wenig Einsatz viel Kapital zu bewegen, haben KO-Scheinen einen nicht zu unterschätzenden Vorteil in der Praxis: Man kann NUR seinen Einsatz verlieren. Wieso nur? Im “echten” Shortselling kann man auch ein Vielfaches seines Einsatzes verlieren. Wenn bei einem Shortsqueeze eine Aktie z.B. von 10 Euro auf 50 Euro steigt und man hier Short ist, hat man bei einem Einsatz von 10 Euro 40 Euro verloren – also den 4-fachen Einsatz. Deshalb ist direktes Shortselling so gefährlich und wird nur von Profibrokern angeboten.

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