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Setzt der billigste Markt jetzt zur Outperformance an?

Ein entwickelter Markt direkt vor der Haustüre gehört zu den billigsten der Welt. Das bleibt nicht ewig so.

Was billig ist, sollte in der Theorie in Zukunft höhere Renditen abwerfen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt Value-Traps. Das sind Fallen, in die Anleger stolpern, weil sie kaufen, was aus gutem Grund billig ist. Zu solchen Fallen gehören viele Telekomunternehmen. Sie wachsen kaum noch. Mehr als die Dividende können Anleger nicht erwarten. Die Aktie der Deutschen Telekom steht heute wieder so hoch wie im Jahr 2001. Für mehr als zwei Jahrzehnte ist das keine gute Performance.

Nicht alles, was wie ein Schnäppchen wirkt, ist eines. Was für Unternehmen gilt, gilt auch für ganze Aktienmärkte. Global befindet sich der US-Markt bei der Bewertung auf Basis der für 2024 erwarteten Gewinne an der Spitze. Die Bewertung im Sinne des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist nicht nur hoch, sie ist auch am oberen Rand der Bandbreite der vergangenen Jahrzehnte.

In Japan bewegt sich die Bewertung im Mittel. Anhand der Bandbreite lässt sich erkennen, dass es grundsätzlich viel Potenzial nach oben gibt (Grafik 1). Europa insgesamt ist durchschnittlich bewertet. Das Potenzial innerhalb der Bandbreite ist nach oben und unten ungefähr ausgewogen. Emerging Markets sind ebenfalls durchschnittlich bewertet. Die Risiken scheinen die Chancen leicht zu überwiegen.

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Das gilt nicht für britische Aktien. Die aktuelle Bewertung ist unten, weit unten. Das gilt im Vergleich zur eigenen historischen Bandbreite, aber auch im Vergleich zu den meisten anderen Märkten. Es ist einer der billigsten Märkte der Welt und zudem noch ein entwickelter Markt. Das sollte bestimmte Risiken wie Hyperinflation, instabile politische Lage usw. begrenzen.

Britische Aktien waren nicht immer Underperformer. Großbritannien konnte als einer der wenigen internationalen Märkte bis 2018 mit den USA mithalten (Grafik 2). Alle anderen Märkte hängten die USA ab. Seit 2018 gilt dies auch für britische Aktien.

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Die Underperformance begann früher. 2018 war die Outperformance bereits wieder abgebaut. Die Misere begann (ob Zufall oder nicht) mit der Brexit-Abstimmung 2016 (Grafik 3). Inzwischen ist der FTSE 250 Index sogar hinter den DAX zurückgefallen. Das spricht Bände, denn der DAX ist auf reiner Kursbasis einer der am schlechtesten performenden Indizes weltweit.

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Was heute schlecht läuft, sollte irgendwann wieder gut laufen. Goldman Sachs hält das bei britischen Aktien in diesem Jahr für möglich. Ohne wirtschaftlichen Aufschwung geht es aber nicht. Die Underperformance seit 2021 fällt mit dem Beginn einer stagnierenden Wirtschaftsleistung zusammen (Grafik 4). Das ist kein Zufall. Für 2024 wird eine Wachstumsrate von ungefähr 0,7 % erwartet. Das ist kein Wachstumsfeuerwerk. Für eine Outperformance reicht es nicht. Immerhin dürfte es die Underperformance beenden. Bis britische Aktien den Ruf als billigster Markt der Welt ablegen und wieder outperformen können, dürfte es noch etwas dauern. Ändert sich das Bild erst, kann es allerdings sehr interessant werden.

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Clemens Schmale

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