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Dominik Maier

03.07.2021 14:36

Kurzanalyse Blue Elephant Energy

Das Hamburger Energieparkunternehmen Blue Elephant Energy ist einer der am schnellsten wachsenden unabhängigen Erzeuger erneuerbarer Energien und bereitet sich auf einen Börsengang im 3. Quartal 2021 an der Frankfurter Börse vor. Mit neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung strebt das Unternehmen einen Bruttoerlös von 150 Millionen EUR an. Doch wie gut ist das Unternehmen positioniert? Wo liegen die Chancen? Wie sieht der direkte Vergleich mit Encavis aus?

Geschäftsführung 

CEO Felix Goedhart wurde 1964 in Hamburg geboren und hatte eine ziemlich erfolgreiche Karriere bisher. Nach einem Abschluss in Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen und einem Master of Business Administration an der University of Chicago begann er seine Karriere gleich als Senior Project Manager bei Booz & Co., einer Strategieberatungsfirma. Anschließend wechselte Goedhart 1995 als Mitglied der Geschäftsführung zur PREMIERE Medien GmbH & Co KG (heute als Sky bekannt). Von 1999 bis 2006 war Felix Goedhart Vorstandsvorsitzender der equitrust AG. Im Jahr 2006 wurde er Vorstandsvorsitzender der Capital Stage AG (heute ENCAVIS AG) und baute das Unternehmen zu einem der größten europäischen Erzeuger von erneuerbaren Energien auf. Ende 2015 wurde er zum CEO der Blue Elephant Energy ernannt. Goedhart ist der Gründer und einer der Hauptaktionäre der Gesellschaft.  

CFO Gerd Weidenfeld wurde 1964 in Birkesdorf geboren und schloss sein Studium als Diplom-Kaufmann ab. Anschließend erwarb er seinen Doktortitel an der Universität in Köln. In seiner Karriere konnte Weidenfeld 11 Jahre Erfahrung in der Unternehmensfinanzierung sammeln und hatte mehrere Leitungspositionen in Corporate Finance und M&A. Seit 2016 ist er CFO bei Blue Elephant Energy. 

CIO Tim Kallas, geboren 1980 in Willich, schloss sein Studium als Diplom-Kaufmann ab und erlangte später die EACVA-Zertifizierung als Bewertungsanalyst. In seiner Karriere konnte Kallas 15 Jahre in der Branche für erneuerbare Investitionen Erfahrungen sammeln und war von 2007 bis 2015 Investment Director der Encavis AG. Seit 2016 ist er bei der Blue Elephant Energy als CIO tätig.  

Das Führungsteam profitiert von den insgesamt 70 Jahren Erfahrung des Managements und der Kernmitarbeiter, wovon einige der Mitglieder die Encavis AG zwischen 2006 und 2015 von einer kleinen VC-Firma zu einem der größten europäischen unabhängigen Produzenten für erneuerbare Energien aufgebaut haben. Dadurch profitiert das Team von umfangreichen Branchenkenntnissen und Netzwerken, die es dem Unternehmen ermöglichen sollen, attraktive Akquisitionsmöglichkeiten frühzeitig zu identifizieren.  

Geschäftsmodell 

Blue Elephant Energy ist ein unabhängiger Stromerzeuger, welcher im Bereich der erneuerbaren Energien tätig ist. Das Unternehmen hat sich auf den Erwerb und den Betrieb von Solarparks und Onshore-Windparks konzentriert und bezeichnet sein Geschäftsmodell als hochgradig skalierbar und risikoarm, da es im sogenannten Downstream-Bereich der Wertschöpfungskette des Sektors für erneuerbare Energien tätig ist, wodurch es von langfristig gut vorhersehbaren Ertragsströmen profitiert. Es werden lediglich Solar- und Windparks gekauft, die baureif sind und für die alle wesentlichen Genehmigungen vorliegen, oder die sich im Bau befinden oder bereits im Betrieb sind.  

Die Strategie beruht auf 3 Säulen

1. Basierend auf langjährigen Beziehungen zu Entwicklern und anderen Akteuren der Branche besitzt das Unternehmen einen hervorragenden Projektzugang.  

2. Es wird eine strikte Investitionsdisziplin mit interner Expertise und klaren Investitionskriterien eingehalten.  

3. Die Betriebsführung wird technisch und kaufmännisch optimiert, unter Einsatz von Online-Tools zur Ferndiagnose, um eine hohe Verfügbarkeit der erneuerbaren Anlagen zu gewährleisten.  

Seit der Gründung im Juni 2016 hat Blue Elephant Energy das Portfolio auf ganze 61 Solarparks und 13 Windparks mit einer vertraglich vereinbarten Gesamtleistung von 1.107 MW erweitert. Das Produktportfolio ist in 8 verschiedenen Ländern (86 % des Umsatzes wird im Ausland erzielt) aufgebaut und hat eine 28-jährige durchschnittliche Restlaufzeit. Zusätzlich würde man durch die Pipeline mit neuen Projekte auf insgesamt 1.671 MW kommen und somit etwa 150 % des bereits bestehenden Portfolios in Betrieb haben, wodurch zukünftiges Wachstum abgesichert ist.

*93,26 MW unter aufschiebenden Bedingungen / ** 185,60 MW baureif / *** 149,94 MW im Bau 

Wichtige Kennzahlen 

Die folgenden Kennzahlen in der unteren Tabelle sind alle in EUR angegeben: Umsatz, EBITDA und EBIT.

(Tabelle selbst erstellt)

Blue Elephant Energy ist in den vergangenen Jahren mit einer CAGR von 45 % 2018-2020 sehr stark gewachsen und plant das Wachstum durch den Börsengang verstärkt fortzuführen. Die dabei angestrebten Bruttoerlöse von 150 Millionen EUR sollen zur Finanzierung des Erwerbs neuer Solar- und Windparks in Übereinstimmung mit der Investitionsstrategie und den Investitionskriterien des Unternehmens verwendet werden. Zur Info: Die Zahlen für 2019 sind durch den Verkauf eines Solarportfolios in Großbritannien beeinflusst, der einen Gewinn von 22 Millionen EUR generierte. Es ist zum Zeitpunkt der Berichtserfassung noch unklar, wie viele Aktien das Unternehmen herausgeben möchte, wodurch man keine Marktkapitalisierung errechnen kann und dementsprechend keinen KUV bestimmen kann. 

(Tabelle selbst erstellt)

Die Investitionsstrategien der beiden Unternehmen unterscheiden sich nicht. Beide kaufen nur Solar- und Windparks, die baureif sind und für die alle wesentlichen Genehmigungen vorliegen oder, die sich im Bau befinden oder bereits im Betrieb sind. Was auffällt ist, dass die Menge der Solar- und Windparks bei Encavis viel höher, aber im Verhältnis zur Gesamtleistung der Unterschied geringer ist.  

284 Solar- und Windparks von Encavis / 74 von Blue Elephant Energy = 3,84 

2,8 GW von Encavis / 1,1 GW von Blue Elephant Energy = 2.55 

Blue Elephant Energy arbeitet entweder effizienter oder sie betreiben viel größere Solar- und Windparks. Zusätzlich hat Blue Elephant Energy in der Projektpipeline schon jetzt 1,67 GW.  

Werfen wir nochmal einen Blick auf die Kennzahlen von Encavis. 

Die folgenden Kennzahlen in der unteren Tabelle sind alle in EUR angegeben: Umsatz, EBITDA und EBIT.

(Tabelle selbst erstellt)

Die Wachstumsraten von Encavis sind im Vergleich zum jüngeren und aufstrebenderen Unternehmen Blue Elephant Energy geringer, jedoch verdient Encavis derzeit mehr Geld und kann dadurch vielleicht mehr Übernahmen tätigen als Blue Elephant Energy. Die Margen bei Encavis bleiben stabil, wobei die EBIT-Marge für 2021 deutlich geringer ausfällt.  

Eine ausführliche Encavis Analyse gibt es im morgigen Goldesel-Magazin vom Yuki Meeh. 

Chancen 

Die Dekarbonisierung des Energiesektors ist eines der Kernziele, die die EU benennt, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Bereits die Erreichung des Ziels einer Reduzierung der Treibhausgase um 55 % bis 2030 macht einen jährlichen Zubau von Erneuerbaren Energien in Höhe von 100 TWh nötig, was annähernd dem doppelten Wert entspräche, der mit einem Zubau von 51 TWh im Jahr 2020 erreicht wurde. 

Die IEA geht davon aus, dass der Zubau von Photovoltaikanlagen in Europa im Jahr 2021 bei 21 GW liegen wird, um dann in den Jahren 2023 bis 2025 auf 25 GW Zubau pro Jahr anzusteigen. Für Windenergie an Land erwartet die IEA einen Zubau von 12 GW im Jahr 2021 und 14 GW im Jahr darauf, der sich in der Periode 2023 bis 2025 auf diesen jährlichen Zubauwert einpendeln sollte. 

Dadurch soll die Photovoltaik in den Jahren 2021 bis 2025 den Großteil der kumulierten globalen Neuinvestitionen in erneuerbaren Energien ausmachen. Laut IHS Markit sollen sich die Investitionen auf rund 588 Milliarden EUR belaufen. Die kumulierten Investitionen in Onshore-Windkraftanlagen werden für den bereits genannten Zeitraum auf 270 Milliarden EUR geschätzt.  

Zudem reduzieren technische Fortschritte und Skaleneffekte die Kosten von Solar- und Windenergieanlagen, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich verbessert. Bei neuinstallierten Produktionskapazitäten sind Photovoltaik und Wind bereits heute günstiger als die konventionellen Alternativen. 

Risiken 

Zu den Risiken von Blue Elephant Energy würde ich die Konkurrenz zählen wie Encavis, Energiekontor oder Clearvise. Es gibt jedoch auch einige „pure Player“ wie SMA Solar oder Orsted, die sich auf eine Technologie spezialisiert haben und in diesem Bereich die Marktanteile vielleicht wegnehmen können, wobei Orsted Off-Shore Windkraftanlagen anbietet und Blue Elephant Energy On-Shore. Der Markt sollte wie bereits oben angesprochen sehr stark wachsen und somit wird es genug Platz für andere Unternehmen geben. 

Ein weiteres Risiko sind die Wintermonate, in denen am wenigsten Strom durch erneuerbare erzeugt wird. Hier könnte eine Expansion in wärmere Länder wie Lateinamerika ein wichtiger Schritt sein, um dem entgegenzusteuern.  

Fazit 

Blue Elephant Energy ist ein sehr interessanter IPO-Kandidat in einem großartigen Zukunftsmarkt. Eine der Stärken des jungen Unternehmens ist die Expertise. Der CEO Goedhart war selbst 9 Jahre lang Vorstandsvorsitzender bei der Encavis AG und baute das Unternehmen zu einem der größten europäischen Erzeuger von erneuerbaren Energien auf. Mit dem Börsengang soll die Investitionsstrategie verstärkt fortgeführt werden. Es bleibt abzuwarten, wie hoch das Unternehmen am Ende bewertet sein wird und ob es sich in der Zukunft durchsetzen kann.

Quellen:

blueelephantenergy.com/de/index.php

app.tikr.com/stock/estimates?cid=586969687&tid=587151269&ref=x47n3z

blueelephantenergy.com/__res/mediadl.php?docid=278&dl=_1&n=__1

handelsblatt.com/unternehmen/energie/erneuerbare-energien-solarkonzern-blue-elephant-energy-kuendigt-boersengang-an/27278382.html?ticket=ST-1521695-Huq0h3bQIR7dZPtdMIRm-ap2

blueelephantenergy.com/de/unternehmen/Unternehmensprofil.php

encavis.com/fileadmin/user_upload/2021_03_19_Jahresabschluss_2020_DE.pdf

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