Blogartikelbild Frustriert über den Januareffekt?
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Frustriert über den Januareffekt?

Die ersten fünf Handelstagen sollen bestimmen, wie das Jahr wird. 2024 wird demnach schwierig. Das ist Unsinn.

Jedes Jahr wird zu Jahresbeginn über den Januareffekt berichtet. Das hat gute Gründe. Den ersten Handelstagen wird eine geradezu magische Prognosekraft zugetraut. Die Erfahrung zeigt, dass ein Jahr schwierig wird, wenn die ersten fünf Handelstage negativ sind. In diesem Jahr war das der Fall. Das gilt sowohl für die USA als auch viele europäische Märkte.

Betrachtet man nur die Statistik, kann man fast zu keiner anderen Schlussfolgerung kommen. Etwas weniger als die Hälfte aller Jahresstarts enden negativ. Ist dies der Fall, legt der S&P 500 im Gesamtjahr lediglich um 3,76 % zu. Der Median liegt bei 3,34 %. Seitdem die ersten fünf Handelstage vorbei sind, hat der Markt zugelegt. Zieht man diese Performance von der erwarteten Gesamtjahresperformance ab, bleibt nicht viel übrig.

Vergleicht man diese Werte mit Jahren, die positiv starten, ist der Ausblick besser. Sind die ersten fünf Handelstage positiv, kann der Aktienmarkt 13 % zulegen (Grafik 1). Die Sache ist also klar. Was dabei nicht gesagt wird: Es hat wenig Bedeutung. Wieso das so ist, zeigt Grafik 2. Hier wird der Januar mit allen anderen Monaten verglichen.

Der Anteil an negativen Monatsstarts (in Summe sind die ersten fünf Handelstage negativ) ist kaum zu unterscheiden. Beginnen Monate negativ, ist die darauffolgende 12-Monatsperformance unterdurchschnittlich. Sie ist aber höher als beim Januar, wenn dieser negativ startet.

Dafür gibt es einen einfachen Grund. Es liegt nicht daran, dass die ersten fünf Januartage mehr Bedeutung haben als etwa die ersten fünf Handelstage im April. Es gibt einige wenige Monate, die die Statistik positiv verzerren. Beginnen der März, August, Oktober oder Dezember negativ, ist die darauffolgende 12-Monatsperformance deutlich positiv. Diese Monate ziehen den Durchschnitt aller Monate nach oben.

Grundsätzlich gilt aber, dass die Karten jeden Monat neu gemischt werden. Sind die ersten fünf Januartage negativ, ist zwar der Ausblick für das Kalenderjahr bescheiden, doch bereits einen Monat später, im Februar, werden die Karten neu gemischt. Beginnt der Februar negativ, bleibt der Ausblick moderat. Beginnt er positiv, können Anleger eine gute Performance erwarten.

Ein ganzes Jahr anhand der ersten Handelstage zu beurteilen, ist nicht unbedingt sinnvoll. Das Blatt kann sich jederzeit wenden. Jeden Monat beginnt die Zeitrechnung aufs Neue. Wartet man zudem die ersten Handelstage ab und verkauft dann, verkauft man nach der Korrektur. Wer etwa 2009 nach den ersten fünf Handelstagen zu dem Schluss kam, dass das Jahr schlecht wird, hätte zwar die Korrekturfortsetzung bis Anfang März 2009 verpasst, dafür auf Jahressicht allerdings 25 % Performance verpasst.

Clemens Schmale

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