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Dominik Maier

31.05.2021 23:21

Die große Shopify Aktienanalyse

Shopify (SHOP) WKN: A14TJP 

Die Möglichkeit, Waren online anzubieten war für den stationären Einzelhandel in der Pandemie besonders wichtig. Shopify griff mit ihrer benutzerfreundlichen E-Commerce-Plattform den Unternehmen unter die Arme, die besonders von der Pandemie betroffen waren. Doch was genau macht Shopify eigentlich? Wie verdient Shopify sein Geld? Ist es das „David“ gegen den „Goliath“ Amazon? 

Kurzüberblick 

Shopify, gegründet im Jahr 2006 mit Hauptsitz in Ottawa, Kanada ist ein weltweit führendes cloudbasiertes Multi-Channel-Shopsystem, welches Händler zur Gestaltung, Einrichtung und Verwaltung ihrer Onlineshops nutzen. Shopify hilft Menschen dabei, die Unabhängigkeit zu erlangen, indem sie es einfacher machen, ein Unternehmen zu gründen, zu führen und zu skalieren. Das Unternehmen glaubt, dass die Zukunft des Handels mehr Stimmen hat und nicht weniger. Aus diesem Grund werden die Hindernisse für die Unternehmensverantwortung reduziert, um den Handel für alle zu verbessern. Shopify hat mehr als ein Jahrzehnt damit verbracht, den Handel durch eine webbasierende, benutzerfreundliche Software zu demokratisieren, vereinfachen und für Unternehmen jeder Größe zugänglich zu machen. Weltweit verkaufen mehr als 1 Million Unternehmen in 175 Ländern ihre Produkte über Shopify.¹

Der CEO

²

Tobias Lütke ist am 16. Juli 1980 in Koblenz, Rheinland-Pfalz geboren. Im Alter von 6 Jahren erhielt Lütke von seinen Eltern einen Commodore 64, ein 8-Bit-Heimcomputer. Schon in jungen Jahren lernte Tobias somit das programmieren, weshalb er nach der 10. Klasse die Schule abgebrochen hatte, um seinem Hobby beruflich nachzugehen und Programmierer zu werden. 2002 zog er der Liebe wegen von Deutschland nach Kanada, wo er 2 Jahre später mit seinem Partner Daniel Weinand und Scott Lake Snowdevil, einen Online-Snowboard-Shop aus der Garage heraus startete. 2004 beschloss Tobias eine eigene E-Commerce-Plattform aufzubauen. Im Jahr 2006 beschlossen die Snowdevil-Gründer, ihren Fokus von Snowboards komplett auf E-Commerce zu verlagern, Shopify wurde geboren. Nach 4 Jahren als CTO wurde Tobias Lütke im April 2008 schließlich der CEO von Shopify.³

Was genau macht Shopify? 

Shopify bietet die Möglichkeit, das eigene Geschäft über verschiedene Vertriebskanäle wie Web, Mobile, Social Media, stationärer Handel, Online-Marktplätze und Pop-Up-Stores anzubieten. Shopify bietet außerdem die Verwaltung von Produkten und Lagerbeständen, die Verarbeitung von Bestellungen und Zahlungen, den Versand von Bestellungen, die Beschaffung von Produkten, den Aufbau von Kundenbeziehungen, den Zugriff auf Finanzierungen sowie die Gewinnung von neuen Käufern durch verschiedene Marketingtools an.  

Shopify gibt einem Ladenbesitzer die vollständige Kontrolle über das Branding und ermöglicht es jedem kleinen Unternehmen oder jeder Person mit einer Idee oder einem vorhandenen Produkt, ein globales Publikum zu erreichen. Außerdem können Abonnenten der Plattform die Zahlungen von Shopify, Shopify Shipping und ein stetig wachsendes App-Ökosystem nutzen. 

Um ein Geschäft auf der Plattform aufzubauen, muss ein Benutzer (oder eine Firma) zuerst ein Abonnement abschließen. Die Pläne für potenzielle Händler beginnen bei 9,99 US-Dollar pro Monat und können je nach Unternehmensgröße bis auf 2.000 USD im Monat hochskaliert werden.⁴

Wie verdient Shopify Geld? 

Shopify kategorisiert seine Einnahmen in zwei Segmente: Händlerlösungen und Abonnementlösungen. Der größte Teil des Umsatzes wird jedoch über die Händlerlösungen erwirtschaftet (68,97 % im Jahr 2020), auf welche wir zuerst eingehen werden.¹

Händlerlösungen 

Das Umsatzwachstum bei diesem Segment wird durch das anhaltende GMV-Wachstum (Bruttowarenvolumen, eine Kennzahl im Online-Handel, welche den Gesamtwert der Verkäufe angibt, die auf einer Plattform in einem bestimmten Zeitraum getätigt werden)⁵ bestehender und neuer Händler, die der Plattform beitreten, und die erweiterte Akzeptanz des wachsenden Angebots an Händlerlösungen von Shopify angetrieben. Zu diesen Angeboten gehören unter anderem:

Shopify Payments: Ein Service, der es Händlern erlaubt, im Online-Shop verschiedene Zahlungsmöglichkeiten wie Kreditkarten, PayPal, Überweisungen, Klarna, ShopPay, ApplePay uvm. anzubieten. Shopify wickelt durch den integrierten Service alle Schritte vom Zeitpunkt, in dem der Kunde seine Kundeninformationen im Check-out eingibt, bis zu dem Moment, in dem das Geld auf dem Bankkonto des Händlers eintritt. Im nachfolgenden Bild sehen wir die Kosten der Gebühren aufsteigend vom Basic-, bis zum Advanced-Abonnement, auf welche wir weiter unten eingehen werden. ⁶

Shopify Shipping: Eine integrierte Versandübersicht, mit der Händler die Berechnung von Versandkosten in Echtzeit, den Kauf und Druck von Versandetiketten sowie die Verfolgung von Sendungen erhalten. Händler können außerdem zwischen einer Vielzahl von Versandpartnern wie USPS, UPS, DHL Express uvm. auswählen, Shopify berechnet für diesen Service eine bescheidene Gebühr.⁸

Shopify Capital: Ein Händler-Vorauszahlungsprogramm, das berechtigten Händlern hilft, die Finanzierung zu sichern und das Wachstum ihres Geschäfts zu beschleunigen, indem es Zugang zu einfacher, schneller und bequemer Betriebskapitalfinanzierung bietet. Shopify konnte seine Erkenntnisse zu Händlerdaten nutzen, um Händlern schnelle Kredite mit minimalen Bonitätsprüfungen anzubieten. Die Kredite werden an Händler vergeben und von den zukünftigen Verkäufen des Händlers zurückgefordert. Shopify Capital ist seit seiner Einführung im April 2016 auf rund 1,7 Milliarden US-Dollar an kumuliertem Kapital angewachsen, von denen am 31. Dezember 2020 rund 244,7 Millionen US-Dollar ausstanden. Das Unternehmen kassiert je nach Größe des Händlers und der Größe des Kredits unterschiedlich hohe Zinsen.¹

Shopify App-Store: Mit über 6.000 verschiedenen Apps hat sich Shopify ein ganzes Ökosystem aufgebaut, mit dem Entwickler von Drittanbietern Anwendungen erstellen können, die in die Shopify-Plattform integriert werden, um Händlern einen bestimmten Service zu ermöglichen. Shopify erhält durch die Apps 20 % des Umsatzes aus dem einmaligen Verkaufspreis oder durch wiederkehrende Abonnementgebühren, sowie über alle In-App-Käufe und Upgrades.⁹ Durch den Shopify App-Store können Händler ihre Waren außerdem über diverse Marktplätze von Drittanbietern wie Amazon und eBay anbieten. Auch die Integration in Werbekanäle und Marktplätze von Unternehmen wie Google, Facebook, Instagram und TikTok werden über den App-Store ermöglicht. Dadurch haben Händler die Möglichkeit, ihre Waren aus einer Hand über alle möglichen Kanäle anzubieten. 

Shopify Themes: Shopify bietet neben kostenlosen Themes (grafische Oberflächengestaltung) auch kostenpflichtige Themes an, die über Drittanbieter entwickelt werden können. Dem Entwickler gehören bei der ersten Option 70 % der Umsätze aus den verkauften Themes, wobei er für alle Fehlerkorrekturen sowie für die Beantwortung aller Händlerfragen zum Theme verantwortlich ist. Das Theme kann auch über einen persönlichen Kanal verkauft werden, jedoch nicht auf offenen Marktplätzen. Bei der zweiten Option stehen dem Drittanbieter 50 % der Umsätze zu, jedoch hilft Shopify bei der Beantwortung von Support-Fragen zum Theme. Der Drittanbieter ist für alle Fehlerkorrekturen verantwortlich und darf das Theme nicht über andere Kanäle verkaufen.⁹

Shopify Fulfillment Network: Shopify verfügt über ein Netzwerk von mehreren Warenhäusern (Fulfillment-Centern), wo Händler ihre Waren lagern können und diese von Robotern verwaltet und sortiert werden. Die Händler müssen sich nicht darum kümmern, den Lagerbestand im Auge zu behalten, da sie eine automatisierte Benachrichtigung erhalten, sobald der Lagerbestand basierend auf der Bestellhistorie zur Neige geht. Außerdem müssen sich die Händler keine Sorgen um den Versand machen, da dieser ebenfalls von Shopify übernommen wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Händler im Gegensatz zu Fulfillment by Amazon die Kontrolle über Kunden-, Verkaufs- und Bestandsdaten behält. Die Kosten hängen von einigen Faktoren wie Inventarlagerung, Verpackung, Transport, spezielle Projekte wie Marketingbeilagen/verpackungen ab.¹⁰   

Abonnementlösungen: 

Die Abonnementlösungen bieten den Händlern alle Funktionen, die für den Betrieb und die Verwaltung eines E-Commerce-Shops erforderlich sind, z.B. Store Front/vollständige Website-Erstellung, Warenkorb, Marketing & SEO, Webhosting, Analyse, Unterstützung für mobile Apps, technischer Support, Auftragsabwicklung, Kunden-, Konten- und Auftragserfüllung.⁴ Der Händler kann je nach Größe seines Unternehmens zwischen 5 verschiedenen Lösungen auswählen. Das Geschäft kann problemlos mit dem Wachstum des Unternehmens skaliert werden. ⁷  

In der folgenden Grafik sehen wir drei der fünf Abonnementpakete, welche sich in der Anzahl der Mitarbeiter, welche Zugriff auf den Adminbereich haben unterscheiden. Außerdem unterscheiden sich die Pakete noch auf die Möglichkeit professionelle Berichte und erweiterte Berichterstellungsfunktionen zu erstellen und die Versandkosten von Drittanbietern anzeigen zu lassen. Hinzukommt, dass sich die Kosten der Shopify Payment-Gebühren verringern, sobald man sich für monatlich-teurere Option entscheidet, was bei erhöhtem Umsatzvolumen durchaus Sinn ergibt.

Shopify Lite: Dieses Paket kostet 9 USD pro Monat und ist somit die günstigste Variante unter den 5 Paketen. Die Kreditkartengebühren beginnen bei 2,4 % pro Transaktion. Bei dieser Variante erhält man lediglich einen „Kauf-Button“ auf einer bereits vorhandenen Webseite. Die Lösung eignet sich am besten, wenn man bereits einen WordPress-Blog besitzt und auf dieser Seite Produkte einbetten möchte.¹¹

Shopify Plus: Dieser Service ist eine skalierbare E-Commerce-Lösung, die für wachstumsstarke Großunternehmen entwickelt wurde. Der Vorteil besteht darin, dass dies mehr Kontrolle, Anpassung und Automatisierung bietet, kombiniert mit höheren Geschwindigkeiten und besseren Omnichannel-Diensten. Außerdem erhält man nicht nur einen Shop, sondern 10 auf einmal, sodass man international durchstarten und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen kann. Shopify Plus ist bei den monatlichen Kosten variabel und auf Grundlage der monatlichen Umsätze des Onlineshops berechnet. Die Kosten belaufen sich auf 0,25 % des Umsatzes – mindestens jedoch 2.000 USD und höchstens 40.000 USD pro Monat.¹²

Shopify Domains: Über den Shopify-Shop kann man für seine Webseite eine neue Domain kaufen, benutzerdefinierte Domains, die über den Shop gekauft werden, beginnen bei 11 USD im Jahr. Die genaue Preisgestaltung hängt davon ab, welche Erweiterung man auswählt (z.B. .com, .org oder .net).⁹

Shopify Point of Sales (POS): Shopify bietet stationären Läden ein Kassensystem an, mithilfe dessen Händler Karten- und Barzahlungen entgegennehmen können. Zusätzlich bietet die Software eine Reihe von zusätzlichen Features wie das Hinzufügen von Kundenprofilen, E-Mail- und SMS-Belege, Verwaltung von Inventar, Bestellungen und Kunden für mehrere Standorte, Rabattcodes, Mitarbeiter-Pins und viel mehr. ¹³ Shopify unterscheidet hier zwischen 2 verschiedenen Versionen, Shopify POS Lite und Shopify POS Pro, wobei die Lite-Version auf Wunsch in Verbindung mit einem Shopify Abonnement inklusive ist. Hier werden lediglich die Transaktionskosten abgerechnet, die sich nach dem ausgewählten Abonnementpaket richten. Bei der Pro-Version stehen zusätzliche Features zur Verfügung wie tägliche Umsatzberichte, Statistiken für das Einzelhandelsgeschäft, benutzerdefinierte Belege, automatische Rabatte, uvm. Jedoch kostet diese Variante pro Standort zusätzlich 89 USD im Monat. ¹⁴

Die Kunden von Shopify 

Mehr als 1 Million Unternehmen haben ihre Waren im Jahr 2020 über Shopify verkauft. Shopify demokratisiert den Handel und macht es für jeden Händler zugänglich, Direct-to-Consumer (Direktvertrieb) anzubieten. Neben unzähligen klein- und mittelständischen Unternehmen bieten zunehmend auch Großunternehmen ihre Waren über Shopify an. Zur Veranschaulichung werden nachfolgend die größten und bekanntesten Marken aufgelistet, die ihren Onlineshop über Shopify verwalten.  

  1. Red Bull, der meistverkaufte Energy-Drink der Welt. Das Unternehmen vertreibt auf ihrem Onlineshop unter anderem Produkte wie Mützen, T-Shirts, Rucksäcke, Jacken und viel mehr. ¹⁵   
  1. Kylie Cosmetics, eine der bekanntesten Kosmetikmarken der Welt. Das Produkt „Eyeshadow-Palette“ wurde innerhalb von 2 Minuten ausverkauft. Shopify hat die Flut des Traffics locker abfangen und bedienen können.¹⁵  
  1. Hasbro, der weltberühmte Spielwarenhändler entschied sich ebenfalls für Shopify, um einen Direct-to-Consumer-Kanal zu ermöglichen. ¹⁵  
  1. Gymshark, eine Fitnessbekleidungs- und Accessoires-Marke, welche von über 3 Millionen Followern in sozialen Medien und 131 Ländern unterstützt wird. ¹⁵  
  1. Tesla, das wertvollste Autounternehmen der Welt, verkauft alle Accessoires über die E-Commerce-Plattform von Shopify. ¹⁶  

 Das sind nur einige der vielen großen Unternehmen, die ihre Waren über Shopify anbieten. Weitere Unternehmen wären Fashion Nova, Heinz, General Mills, Heineken, HermanMiller, Staples uvm.. ¹⁷

Das Corona-Jahr 2020 

Das Jahr 2020 war für Shopify ein außergewöhnliches Jahr des Umsatzwachstums und des bereinigten Betriebsergebnisses, das auf die rasante Beschleunigung des E-Commerce durch Covid-19 zurückzuführen war. Shopify hat in den frühen Tagen der Pandemie eine Reihe von Initiativen eingeleitet, um Händlern zu helfen, schnell und einfach mit dem Verkauf zu beginnen. Unter anderem wurde die 14-tägige kostenlose Testversion auf 90 Tage erhöht, eine Bereitstellung von Geschenkkartenfunktionen sowie Pläne zur Online-Abholung am Straßenrand und der Lieferung vor Ort für lokale Einzelhändler wurden eingeführt.  Nachfolgend eine Auflistung der Verbesserungen von Produkten und neuen Innovationen im Jahr 2020:¹

  • Shopify POS Pro wurde eingeführt. 
  • Shopify erweiterte Shopify Capital über die USA hinaus, um Händler in England und Kanada zu unterstützen.
  • Alipay wurde als Zahlungsmethode eingeführt.
  • Shopify Pay Ratenzahlung wurde für eine bestimmte Anzahl an ausgewählten Händlern eingeführt.
  • Shopify Shop, ein All-in-One Einkaufsassistent, über den Händler ihre Beziehungen zu bestehenden Käufern vertiefen können. Den Käufern werden über diese App personalisierte Angebote ausgespielt, wodurch sich Produkte leichter finden lassen und diese mit wenigen Klicks gekauft und bezahlt werden können. Die Käufer können außerdem den Händlern folgen und sich lokale Angebote ihrer Filialen zuschicken lassen. Dadurch entsteht nicht nur ein neuer Absatzkanal für lokale Händler und Händler, die einen Onlineshop besitzen, sondern auch eine neue Möglichkeit, potenzielle Kunden zu erreichen. Die Kunden haben dadurch eine riesige Auswahl an einzigartigen lokalen Shops oder Händlerlisten, die sie zentral über die Shop-App finden und darüber Produkte einkaufen können.¹⁸ Mit anderen Worten: ein dezentrales Shopping-Erlebnis. Ende 2020 hatte Shop bereits über 100 Millionen registrierte und davon 19 Millionen monatliche Benutzer. ¹
  • Alle Käufe in der Shop-App werden über Shop Pay abgewickelt¹⁸, einer hauseigenen, beschleunigten Checkout-Lösung, die seit der Einführung im Jahr 2017 bereits über 20 Milliarden USD an kumuliertem GMV ermöglicht hat.¹
  • Neue Vertriebskanäle wurden eingeführt, darunter Facebook-Shops, Walmart- und Pinterest-Vertriebskanäle sowie der TikTok-Marketingkanal.
  • Shopify Fulfillment Network wurde weiter ausgebaut und verbessert, nicht zuletzt durch die Akquisition von 6 River System im Jahr 2019, ein Unternehmen, dass Lagerautomatisierung- und Fulfillment Lösungen bereitstellt.¹⁹

Finanzen für das vierte Quartal

Im vierten Quartal 2020 stieg der Umsatz um 94 % auf 977,7 Millionen USD, gegenüber 505,2 Millionen USD im Vorjahresquartal. Das Segment Händlerlösungen stieg hierbei im Jahresvergleich um 117 % auf 698,3 Millionen USD, was 71,42 % des Gesamtumsatzes vom vierten Quartal entspricht. Die Abonnementlösungen stiegen im Jahresvergleich um 53 % auf 279,4 Millionen USD.

Das GMV belief sich im vierten Quartal auf 41,1 Milliarden USD, eine Steigerung von 20,5 Milliarden USD oder 99 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Der Bruttogewinn stieg im vierten Quartal um 91 % auf 504,4 Millionen USD, gegenüber 263,9 Millionen im Vorjahresquartal. Bei einer Marge von 12,67 % wurde ein Nettogewinn von 123,9 Millionen USD für das vierte Quartal erreicht, gegenüber 0,8 Millionen USD im Vorjahresquartal. ¹

Finanzen für das Gesamtjahr 2020

Im Gesamtjahr 2020 stieg der Umsatz um 86 % auf 2,929 Milliarden USD, gegenüber 1,578 Milliarden USD im Vorjahr. Das Segment Händlerlösungen stieg hierbei im Jahresvergleich um 116 % auf 2,020 Millionen USD und machte dabei 68,97 % vom Gesamtumsatz aus. Die Umsätze der Abonnementlösungen stiegen im Jahresvergleich um 41 % auf 908,8 Millionen USD.

Das GMV belief sich im Gesamtjahr 2020 auf 119,9 Milliarden USD, eine Steigerung von 96 % im Jahresvergleich. Nicht zuletzt profitierte Shopify hierbei von der Verlagerung der Konsumausgaben vom stationären Einzelhandel zu Onlineshops, welche eine besondere Beschleunigung in der Pandemie erlebt hat.

Der Bruttogewinn stieg im Gesamtjahr 2020 um 78 % auf 1,541 Milliarden USD, gegenüber 865,6 Millionen USD im Vorjahr. Bei einer Marge von 10,91 % wurde ein Nettogewinn von 319,5 Millionen für das Gesamtjahr erreicht, gegenüber einem Nettoverlust von 124,8 USD im Vorjahr. ¹

Ausblick für das Gesamtjahr 2021

Das Umsatzwachstum bei Abonnementlösungen soll unter dem Rekordwert von 2020 stehen, aber höher als jedes Jahr vor 2020. Die Wachstumsraten aus Abonnementlösungen und Händlerlösungen dürften ähnlicher sein als in der Vergangenheit, da nicht erwartet wird, dass der Anstieg des GMV, welcher den Anstieg der Händlerlösungen ausgelöst hat, sich im Jahr 2020 wiederholt. Shopify geht dennoch davon aus, dass der Umsatz im Jahr 2021 weiterhin stark steigen wird, jedoch geringer als im Vorjahr. Das Unternehmen geht davon aus, dass das erste Quartal 2021 den geringsten Anteil am Gesamtjahresumsatz ausmachen wird, was durchaus positiv zu werten ist, da die Pandemie im ersten Quartal noch nicht vorbei war und die Eröffnung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte voraussichtlich stattfinden wird. Dadurch wird indirekt ein anhaltendes Wachstum über das gesamte Jahr bestätigt. ¹

Shopify plant außerdem mehr Geld in die Produktverbesserung- /erweiterung und Expansion in den folgenden Bereichen zu investieren: Shopify Fulfillment Network, Shop App, Shopify POS, Shopify Plus und die Shopify Plattform. Das Unternehmen möchte außerdem mehr Händler dazu ermutigen, sich Shopify anzuschließen und diese dann zum Erfolg zu verhelfen. ¹

In Forschung und Entwicklung startet Shopify außerdem eine ehrgeizige Einstellungskampagne für Ingenieure von der erwartet wird, dass sie im Laufe des Jahres an Stärke gewinnen wird. Im Vertrieb und Marketing werden außerdem die Ausgaben für Online-Marketing erhöht, um die weltweite Nachfrage zu steigern. ¹

Fundamentaldaten

Shopify hat zum Zeitpunkt der Berichterstattung (01. April 2021) eine Marktkapitalisierung von 137,01 Milliarden USD. Da das Unternehmen im Jahr 2020 zum ersten Mal profitabel wurde und das meiste Geld weiterhin in Wachstum investiert wird, liegt das nachlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 429,82. Dieser Wert sollte sich jedoch in den kommenden Jahren deutlich verringern. Das erwartete KGV für das Jahr 2021 liegt bei 224,9. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt derzeit bei 46,77. Shopify hat einen 52-Wochen Beta von 1,56, was bedeutet, dass der Aktienkurs überdurchschnittlich volatil ist. Außerdem hat das Unternehmen liquide Barmittel von 6,4 Milliarden USD zur Verfügung und Gesamtschulden in Höhe von 912,89 Millionen USD. Somit könnte Shopify die Schulden problemlos zurückzahlen und hätte noch mehr als 5,4 Milliarden USD an liquiden Barmitteln für Investitionen zur Verfügung. ²⁰

Amazon vs. Shopify 

Amazon und Shopify konkurrieren auf demselben Gebiet, bieten ihren Kunden jedoch einen sehr unterschiedlichen Wert. Amazon dominiert den amerikanischen E-Commerce-Markt, wenn wir uns nachfolgend die Marktpositionen für 2020 ansehen, jedoch ist es positiv zu bewerten, dass Shopify bereits über Walmart und eBay steht. Amazon und Shopify haben zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle, einer dient den Verbrauchern, während der andere den Händlern dient. Die Macht von Amazon ist der Preis, während die von Shopify, die Differenzierung ist. Shopify konzentriert sich darauf, seinen Händlern weiterhin wertvolle Ressourcen zur Verfügung zu stellen, anstatt die Nachfrage nach ihnen zu erfassen und dann die Produkte zu kopieren, wie dies bei Amazon der Fall ist. Was Geld und Größe nicht kaufen kann, sind die Jahre, in denen Shopify sein Händler- und Entwickler-Ökosystem aufgebaut hat. Shopify hat die Jahre über bewiesen, dass beide Modelle koexistieren können, somit werden in Zukunft mehr Wert für Verbraucher, als auch für Verkäufer generiert. ²¹

²¹

Konkurrenz und Risiken

Es gibt bisher keinen vergleichbaren Konkurrenten, der eine integrierte Plattform, mit der Händler das Eigentum an ihrer Marke behalten, anbietet. Jedoch gibt es viele kleine Wettbewerber, die nur Teile aus dem Angebot von Shopify anbieten. Dazu gehören langjährige E-Commerce-Website-Tools wie Magento, welches im Jahr 2018 von Adobe übernommen wurde,²²  SAP Hybris²³ und Oracle ATG²⁴. Dies sind jedoch nur kleine Geschäftsbereiche von großen Unternehmen, deren Hauptgeschäft und Fokus in anderen Bereichen liegt.

Die kleinen no-/low-code Website-Ersteller wie Wix²⁵, Weebly²⁶, oder GoDaddy²⁷ konzentrieren sich auf die Erstellung einer Zielseite oder einer einfachen Online-Präsenz. Die meisten von ihnen haben Partner von Drittanbietern, die die zusätzliche Software bereitstellen, die für die tatsächliche Führung eines Unternehmens erforderlich ist. Ein weiterer Anbieter wäre WooCommerce²⁸, welches aber lediglich ein Plug-in für WordPress ist, um die Funktionalität eines Onlineshops zu ergänzen. BigCommerce²⁹ ist ein weiterer Anbieter, welcher jedoch nicht für Anfänger zu empfehlen ist, da es einige Codierungskenntnisse erfordert, wenn man die Technologie optimal nutzen möchte.

Zu den Risiken zählt die langsamere Einführung von Händlerlösungen, die essenziell für das Umsatzwachstum von Shopify sind, damit die hohe Bewertung beibehalten werden kann, wo wir zum zweiten Punkt kommen. Das durchschnittliche Kurs-Umsatz-Verhältnis der letzten 3 Jahre liegt bei 25,88³⁰, verglichen mit dem derzeitigen KuV von 46,77 (stand 01. April 2021)²⁰ sehen wir eine historische Überbewertung. Jedoch sind durch das Coronajahr die Netzwerkeffekte stärker geworden, da sich der Plattform mehr Händler und Entwickler angeschlossen haben und man in Zukunft das Geschäft dadurch besser skalieren kann.

Burggraben

Shopify verfügt über eine Vielzahl an Burggräben, die es dem Unternehmen ermöglichen, die führende Position als Multi-Channel-Shopsystem zu sichern und weiter auszubauen. Diese sind hohe Kostenwechsel, Netzwerkeffekte durch Entwickler von Drittanbieter, die ihre Tools über den AppStore verkaufen können, die über 1 Million Händler, die die Shopify-Plattform verwenden, Angebotsbreite durch die umfassende End-to-End-Omnichannel-Lösung wie Shopify POS, Shopify Payments, Shopify Capital, Shopify Shipping, Shopify Fulfillment Network und außerdem strategische Partnerschaften mit Facebook, TikTok und Walmart, wodurch Shopify für die Händler neue Vertriebs- und Marketingkanäle ermöglicht hat.

Der Chart von Shopify

Im 3-Jahres-Chart erkennen wir, wie gut die Aktie seit dem Corona-Crash gelaufen ist. Vom Corona-Tief bei ca. 318 USD bis hin zum 52-Wochen-Hoch bei 1.499,75 USD hat sich die Aktie fast verfünffacht. Seit Juli 2020 bewegt sich die Aktie mehr oder weniger in einer Seitwärtsphase. Der Ausbruch ist dann im Februar gelungen, jedoch hat die Aktie danach, wie viele andere Wachstumswerte, korrigiert.³¹

³¹

Fazit

Shopify verfügt über ein starkes Geschäftsmodell, das seine Leistungsfähigkeit während der Pandemie unter Beweis gestellt hat. Die COVID-19-Pandemie hat dazu beigetragen, den stetigen Übergang vom stationären Einzelhandel zum Online-Einkauf zu beschleunigen. Shopify hat über 1 Million Händler, welche die Plattform nutzen, um über eine benutzerfreundliche Software ein eigenes E-Commerce-Geschäft aufzubauen, welches über weitere Vertriebskanäle wie Facebook Shops, Instagram und die eigene Shop-App vertrieben werden kann. Außerdem können Händler durch viele verschiedene Marketingtools

und -kanäle die Shops vermarkten und problemlos skalieren. Durch das Shopify POS dringt das Unternehmen in weitere Geschäftsbereiche ein, um auch die Offline-Präsenz zu stärken. Der globale E-Commerce-Markt soll bis 2027 um 14,7 % pro Jahr wachsen.³² Shopify ist bestens positioniert, um die Trendwelle zu reiten und durch neue Vertriebs- und Marketingkanäle, sowie weitere Innovationen, überproportional davon zu profitieren.

¹ Quelle: https://s27.q4cdn.com/572064924/files/doc_financials/2020/q4/Press-Release-Q4-2020.pdf

² Bild: https://www.linkedin.com/company/shopify/about/

³ Quelle: https://peoplepill.com/people/tobias-luetke

⁴ Quelle: https://www.shopify.com

⁵ Quelle: https://www.it-times.de/news/gmv-gross-merchandising-volume-eine-wichtige-e-commerce-kennzahl-133638/

⁶ Quelle: https://www.websitetooltester.com/blog/shopify

⁷ Foto: https://www.shopify.de/preise

⁸ Quelle: https://www.merchantmaverick.com/a-brief-look-at-shopify-shipping/

⁹ Quelle: https://help.shopify.com/en/partners/how-to-earn

¹⁰ Quelle: https://www.merchantmaverick.com/shopify-fulfillment/

¹¹ Quelle: https://www.shopify.de/lite

¹² Quelle: https://www.shopify.com/plus/pricing

¹³ Quelle:  https://help.shopify.com/de/manual/sell-in-person/getting-started/identify-your-pos-needs#abrechnung-von-shopify-pos-pro

¹⁴ Quelle: https://www.usnews.com/360-reviews/point-of-sale/shopify

¹⁵ Quelle: https://wemakewebsites.com/blog/37-of-the-biggest-brands-on-shopify/

¹⁶ Quelle: https://www.eshop-guide.de/blogs/shopify-deutschland/die-18-grossten-prominenten-shopifybeispiele

¹⁷ Quelle: https://s27.q4cdn.com/572064924/files/doc_presentations/2021/Shopify-Investor-Deck-Q4-2020.pdf

¹⁸ Quelle: https://www.shopify.com/blog/introducing-shop

¹⁹ Quelle: https://news.shopify.com/shopify-to-acquire-6-river-systems

²⁰ Quelle: https://finance.yahoo.com/quote/SHOP/key-statistics?p=SHOP

²¹ Quelle und Foto: https://s27.q4cdn.com/572064924/files/doc_presentations/2021/Shopify-Investor-Deck-Q4-2020.pdf

²² Quelle: https://business.adobe.com/de/products/magento/magento-commerce.html

²³ Quelle: https://www.sap.com/germany/acquired-brands/what-is-hybris.html

²⁴ Quelle: https://www.oracle.com/cx/ecommerce/

²⁵ Quelle: https://de.wix.com

²⁶ Quelle: https://www.weebly.com/de

²⁷ Quelle: https://de.godaddy.com

²⁸ Quelle: https://woocommerce.com

²⁹ Quelle: https://www.bigcommerce.com

³⁰ Quelle: https://www.macrotrends.net/stocks/charts/SHOP/shopify/price-sales

³¹ Foto: https://www.aktienesel.de/lookup/shop

³² Quelle: https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/e-commerce-market

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