Blogartikelbild ARK Invest zur aktuellen Marktlage (Video vom 08. Mai 2021)
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Dominik Maier

13.05.2021 18:01

ARK Invest zur aktuellen Marktlage (Video vom 08. Mai 2021)

Cathie Wood von ARK Invest hat am 08. Mai 2021 wieder ihr monatliches Video zur aktuellen Marktlage herausgebracht, zu dem ich euch die wichtigsten Punkte mitteilen möchte. Es werden die folgenden Themen besprochen: Makroökonomische Faktoren / Fiskalpolitik, Geldpolitik, ökonomische Indikatoren, Marktlage, Innovation und einige Gedanken von Cathie Wood. Viel Spaß beim Lesen. 

Makroökonomische Faktoren / Fiskalpolitik 

Der erste Part von dem Stimulus ist mittlerweile platziert und man erkennt, dass es sich durch einige ökonomische Statistiken bemerkbar macht. Gleichzeitig bekommen wir ein neues Infrastruktur-Paket, welches unter anderem Steuererhöhungen beinhalten soll. Die Wahrscheinlichkeit für solche Erhöhungen sinken jedoch, je näher wir uns den Mid-Term-Election in den USA nähern, da die Aufteilung der Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat so gering sind, dass durch mögliche Steuererhöhungen zusätzliche Sitze an die Republikaner gehen könnten, was man natürlich vermeiden will. 

Nichtsdestotrotz wurde ein Steuervorschlag bereits eingereicht, welcher eine Erhöhung der Kapitalertragssteuer beinhaltet, wobei der Höchststeuersatz bei 43,4 % liegen soll. Das wäre ein großer Sprung, da man in Amerika momentan bei 22,8 % ist. Diese Anhebung könnte laut Cathie ein Grund für den Abverkauf bei den Highflyern-Aktien sein, welche vor allem im letzten Jahr stark gestiegen sind und Anleger Kursgewinne mitnehmen wollen, bevor die Steuer möglicherweise angehoben wird.

Wood bezweifelt allerdings, dass wir auch annähernd an diese Erhöhung herankommen werden oder dass man überhaupt Steuererhöhungen sehen wird. Die Unternehmensbesteuerung wird vermutlich nicht von 21 % auf 28 % gehen, wie Biden vorgeschlagen hatte, sondern eher auf 25 %, was ein Kompromiss wäre. Für Amerikaner mit einem hohen Einkommen könnte die Einkommenssteuer auf 41,8 % steigen. 

Geldpolitik 

M2, ein Maß für den US-Geldstand, welches M1 (von Nichtbanken gehaltene Währungen und Münzen, überprüfbare Einlagerung Reisechecks) sowie Spareinlagen, kleine Termineinlagen unter 100.000 USD und Anteile an Investmentfonds für den Geldmarkt für Privatkunden umfasst, ist im Jahresvergleich um 24,2 % gestiegen. Der Peak lag jedoch bei 27 %, also hat der Rückgang bereits begonnen. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass 24,2 % immer noch eine sehr hohe Steigerung ist, wenn man auf die Geschichte blickt.  

Die FED sagte, sie wird erst mit der expansiven Geldpolitik nachlassen, wenn die Inflation über 2 % über einen nachhaltigen Zeitraum erreichen wird. Die Märkte erwarten also vor Ende 2022, Anfang 2023 kein zurückrudern der FED, jedoch könnte man negativ überrascht werden, da die Inflation langsam an Fahrt aufnimmt.  

Außerdem redet die FED weiterhin über den Base-Effekt, also der Kollaps der Rohstoffpreise im letzten Jahr im Vergleich mit dem jetzigen Anstieg, dadurch sind die Inflationserwartungen angezogen. Sieht man sich einen 10 Jahres Zeitraum an, liegt die Inflationserwartung bei etwas unter 2,5 %.

Cathie ist überrascht, dass einige der Rohstoffpreis wie Holz so stark angestiegen sind, dies liegt unter anderem daran, dass der Rohstoff Holz in einer jahrelangen Basis stand und nun ausgebrochen ist. Jeder der derzeit ein Haus baut oder am Renovieren ist, weiß, dass Holzpreise sich innerhalb der letzten 5 – 9 Monate verdreifacht haben. 

Ökonomische Indikatoren 

Cathie glaubt weiterhin, dass wir immer noch in einer V-förmigen Erholung sind und dass sich dem kurzfristig nichts in den Weg stellen wird. Jedoch waren die Employment-Reports im Vergleich zu den Erwartungen am Freitag ziemlich schwach ausfallen. Es wurden 266.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft kreiert, die Erwartungen lagen jedoch bei knapp 1 Million und betrachtet man die Abwärtskorrekturen, waren es Netto nur 188.000 neue Jobs. 

Wie kommt das? Wenn man die Menschen dafür bezahlt, nicht zu arbeiten, werden sie auch nicht arbeiten gehen und viele Unternehmen haben mittlerweile Probleme, Hilfe zu finden. Cathie hatte ein solches Szenario bisher noch nie gesehen. Die vorübergehende Beschäftigung der Angestellten ist in einem Monat um 111.000 Jobs gefallen. Was sagt uns das? Die Unternehmen, die vorübergehende Arbeiter angestellt hatten, haben diese mit sehr guten Angeboten angelockt und ein permanentes Arbeitsverhältnis aufgebaut, da wie oben schon beschrieben, die Unternehmen derzeit Probleme haben, Arbeiter zu finden.  

Die Konsumgewinne im letzten Monat waren beeindruckend. Einzelhandelsumsätze sind um 9,8 % im Jahresvergleich gestiegen, erwartet wurden 5,8 %. Ein sehr hoher Anstieg, welcher nicht zuletzt durch das Stimuluspaket verursacht wurde. Rechnet man den Wert x12, so hat man in einem Jahr über 100 % Wachstum, was laut Cathie wirklich erstaunlich wäre.  

Die Industrieproduktion bleibt hinter den Erwartungen zurück, statt erwarteten 2,5 % wurden nur 1,4 % erreicht. Der Grund dafür soll ebenfalls der Arbeitskräftemangel sein. Eines der Dinge über die sich Cathie Sorgen macht ist, dass es eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Inventarbestellungen geben kann, dass z.B. wenn Unternehmen durch Lieferkettenprobleme nicht beliefert werden können viel mehr bestellen als sonst und bereit sind, Lagerbestände aufzubauen, wenn sie mit dem Mangel konfrontiert sind. Das Problem dabei ist, dass dies voraussichtlich in diesem Jahr passieren wird und im nächsten Jahr ein bedeutender Lagerabbau stattfinden wird, was zu einer ernsthaften Korrektur der Rohstoffpreise führen könnte.  

Letztes Jahr hatte Cathie bereits von einer V-förmigen Erholung gesprochen und sprach von diesjährigen Earnings im S&P500 von 200 USD. Derzeit sieht es danach aus, als würden wir diese Erwartung mittlerweile schon übertroffen haben und wir möglicherweise auf Earnings von 250 – 260 USD im S&P500 zum Jahresende hinsteuern könnten. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung ist der S&P500 bei ungefähr 4200 Punkten, schaut man sich nun das KGV an, liegen wir bis zum Ende des Jahres bei 16 bis 17, was historisch gesehen sehr moderat ist. 

Der Markt 

Ende 2020, Anfang 2021 sagte Cathie, dass der Markt rotieren würde und den Valuesektor belohnen würde, welcher vor allem im Jahr 2020 gelitten hatte. Dieser Fall wurde bestätigt und vielleicht sogar mehr, als Cathie erwartet hatte. Hierbei würde der Innovations- oder Wachstumssektor stark unterperformen, was bisher zutraf.  

Die 2 Top-Performer in diesem Jahr sind der Energiesektor mit einer Steigerung von 40 %, gefolgt vom Finanzsektor mit 27 %. Schaut man sich die Innovationsstrategie von ARK an, so erkennt man, dass dieser seinen Peak bereits Mitte Februar hatte und seitdem viele Aktien 30 – 35 % gefallen sind. Neben der Rotation kann die Erhöhung der Kapitalertragssteuer ein weiterer Grund sein, wie oben bereits beschrieben.

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Bisher hatten wir in den letzten 4 Monaten im Markt außerdem einige „Mini-Krisen“, wie z.B. im 1. Quartal die nahezu Verdopplung in den Staatsanleihen, was laut Cathie im Staatsanleihen-Markt einem Herzinfarkt gleichkommt. Der Aktienmarkt sah den Zinsanstieg als Zeichen vom Beginn der Rotation in Value-Aktien und die Innovations-Aktien waren davon am meisten betroffen. Nun sind gegen die Erwartungen die Staatsanleihen gefallen, jedoch sollen diese langfristig steigen, wobei viele Portfolio-Manager und Analysten überrascht wären, wenn diese bereits ihr Peak gesehen haben. 

Der Kupferpreis ist aus einer 15 – 20-jährigen Basis ausgebrochen und normalerweise wenn so etwas passiert, ist es erst der Anfang von einem großen Ausbruch in die eine oder andere Richtung. Aber es ist merkwürdig angesichts der Tatsache, dass die langfristigen Renditen für Staatsanleihen zurückgegangen sind und gleichzeitig der Dollar fällt. 

Ein solches Szenario erinnert Cathie an eine verwirrende Zeit aus ihrem Investmentleben. Ende 2006, Anfang 2007 boomten die Rohstoffpreise, Öl stieg von 2007 bis 2008 von 60 USD auf 140 USD. Cathie hatte damals viel Risiko aus dem Portfolio genommen und ließ dabei eine Menge auf dem Tisch liegen, weil sich der Aktienmarkt sehr stark erholte und gleichzeitig die Anleiherendite sank. Cathie war von all dem sehr verwirrt, da sie nicht wusste, was sie damit anfangen sollte und benannte dies als eine schmerzhafte Zeit.

Da Wood einen makroökonomischen Hintergrund hat und es zu der Zeit so viele widersprüchliche Signale gab, vermutet sie, dass wir uns in einer ähnlichen Zeit befinden könnten. Zu der Zeit untersuchte der Rentenmarkt, was auf dem Immobilienmarkt vor sich ging. Die Aufsichtsbehörden waren nicht glücklich über die Eigenheimkredite, sodass 5 Aufsichtsbehörden eine Pressemitteilung anhängten und über die Probleme sprachen, was später das Platzen der Immobilienblase verursachte. 

Cathie glaubt nicht, dass Immobilien diesmal das Problem sind, da wir nicht die verrückten Praktiken exotischer Eigenheimkredite sehen, stattdessen denkt sie, dass die Verwirrung daran liegt, dass der Anleihemarkt auf 3 Deflationsquellen schaut, auf welche wir folgend kurz eingehen werden. 

Innovation 

Eine der 3 Deflationen wäre die gute Deflation, assoziiert mit Innovation, welche dynamisches Wachstum verspricht. Das Gesundheitswesen ist knapp 20 % des BIP von Amerika und hat bisher noch nie gute Deflation gesehen, bis heute. Bei der DNA-Sequenzierung reduzieren sich die Kosten für jede kumulierte Verdoppelung, bei der Sequenzierung von einem gesamten menschlichen Genoms um 40 %, laut Cathie ein Schock für Analysten, da das Gesundheitswesen bisher nichts anderes als Inflation kannte und das Geschäftsmodell auch bisher darauf beruhte. 

Einen weiteren Kostenrückgang sieht man außerdem bei der Elektrobatterie, wobei bei jeder kumulativen Verdoppelung die Kosten um 28 % zurückgehen, oder bei industriellen Robotern um 25 %. Die Kosten für das Training der künstlichen Intelligenz sollen sich auch um 37 – 50 % jedes Jahr reduzieren und künstliche Intelligenz wird sich laut Cathie durch jede Branche hinweg durchsetzen. Unternehmen, die diese Technologien nicht annehmen werden, werden ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren.  

Die Verzweigung dieser Deflation beinhaltet kreative Zerstörung, verbunden mit der Disruption der traditionellen Weltordnung werden 50 % der Unternehmen im S&P 500 von dieser kreativen Zerstörung bedroht, einige mehr, einige weniger, aber 50 % für die Unternehmen, die die letzten 20 Jahre damit verbracht haben, auf kurzfristige Gewinne zu spekulieren, indem sie auf Kredit Aktien zurückgegriffen und Dividenden damit bezahlt haben.  

Cathie weiß noch, als sie im Jahr 2014 ARK Invest gestartet hatte und Autohersteller dachten, dass die Elektrowende etwas für Mitte der 20er Jahre sei, währenddessen ARK die Kostensenkung der Batterien untersuchte. Dort wurde klar, dass die Wende bereits jetzt geschieht und dass Autohersteller, die auf Verbrennungsmotoren setzen, in der Zukunft ums Überleben kämpfen müssen. Ein solches Szenario soll sich auch auf andere Sektoren wie Finanzen oder Energie ausbreiten. ARK glaubt hierbei, dass diese die am stärksten gefährdetsten Sektoren sind. Autonome elektrische Fahrzeuge werde eine große Delle in der Ölnachfrage verursachen. 

Im Finanzdienstleistungssektor sehen wir die schnelle Entwicklung der digitalen Geldbörsen, schneller als man es sich hätte erträumen können. China hat uns gezeigt, wie sich WeChat Pay und AliPay entwickeln und jetzt bewegen sich Squares Cash App und PayPals Venmo so schnell, dass ihre Nutzerbasis über den JPM-Kunden innerhalb von wenigen Jahren hinausgewachsen ist.  

Die 2. Deflation von der Cathie sprach, ist die schlechte Deflation, wobei Unternehmen, welche auf Kredit Aktienrückkäufe tätigen und Dividenden herausgeben, ihre veralteten (nicht innovativen) Produkte günstig verkaufen müssen, um die Schulden tilgen zu können.  

Die 3. Deflation wird möglicherweise gegen Ende des Jahres stattfinden, jedoch eher im nächsten Jahr. Es handelt sich wie oben bereits erwähnt um die Rohstoffdeflation, wobei Unternehmen ihre Bestände mit doppelten und dreifachen Bestellungen füllen werden. Lieferketten-Management-Systeme werden immer besser, jedoch glaubt Cathie, dass die Lagerbestände gegen Ende dieses Jahres oder irgendwann im nächsten Jahr auf ein Niveau steigen werden, das weit über der Nachfrage liegt und somit die Rohstoffpreise korrigieren dürften.  

Einige Gedanken von Cathie 

Das Land, das die Krise am besten gemeistert hat, ohne Unmengen an Geld zu drucken, ist China und das wird sich in den kommenden Jahren zu ihrem Vorteil auswirken, weshalb man auf diesen Bereich achten sollte. 

Deflation ist das größere Risiko. Der Grund, warum Cathie gerne auf dieser Seite der Wette steht, ist, dass es so aussieht, als ob jeder auf der anderen Seite ist, und normalerweise, wenn dies zutrifft, als wenn Cathie falsch liegt, wird die Inflation auf dem Markt richtig abgezinst. Vielleicht wird Cathie unwahrscheinlich falsch liegen und es ist gut, unwahrscheinlich falsch zu sein, wenn alle anderen eine Sache erwarten, als sie wahrscheinlich auf dem Markt eingepreist wird. Wood denkt, dass diese 3. Deflationsquellen die Ökonomen umwerfen wird und es sei gut, sich in solchen Zeiten aus gutem Grund von der Masse abzuheben und das nicht nur um konträr zu sein. Sowas kann sich laut Cathie auszahlen und insbesondere in Bezug auf das jüngste Verhalten von Value-Aktien, welche im Vergleich zum starken Rückgang von innovationsorientierten Aktien in Gefahr sind.  

Abschließend sagte Cathie, dass ARK einen Zeithorizont von 5 Jahren hat, da sich die Investmentstrategie auf langfristige Innovationen konzentriert. Mitte Februar, als die Wachstumswerte ihren Peak hatten, rechnete ARK mit einer durchschnittlichen Rendite von 15 % über die nächsten 5 Jahre. Sollte ARK mit den 5 Innovationsplattformen richtig liegen, sollte die Rendite durch den starken Abverkauf nun bei 25 bis 30 % liegen. ARK liebt das Setup und denkt, dass sich der Bullenmarkt ausweitet und freut sich darauf, wenn innovationsorientierte Aktien der Party wieder beitreten.  

Quellen:

¹ Bildquelle: google.de -> ARKK

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